„Die beste Zeit des Lebens, in der man hin und wieder zur Uni muss“

Wir starten unsere Kooperation mit dem Studierendenmagazin „ZurQuelle“. Doch was ist das eigentlich? Was wollen die? Und wer steckt dahinter? Wir haben mit dem Chefredakteur Robert Hofmann über Eckkneipen, Harry Potter und Hochschulpolitik gesprochen und dann auch noch erfahren, dass wir jetzt mit einem Magazin kooperieren, das als bestes Studierendenmagazin Deutschlands ausgezeichnet ist – geiler Scheiß!

jeunesse dorée: Wer seid ihr und was macht ihr?

ZurQuelle: Gute Frage. Wir sind das Studierendenmagazin des Berlin-Potsdamer-Raums. Ich nutze bewusst den bestimmten Artikel, weil es neben uns kein Studierendenmagazin gibt. Die anderen nennen sich eher „Zeitschrift“ oder so. Das sei ihnen gegönnt. Schon weil wir damit ein Alleinstellungsmerkmal besitzen. Wir sind ein Team aus etwa 40 Leuten. Schreibende, Gestaltende, Organisiserende, Akquirierende, Öffentlichkeitsarbeitende und so weiter. Alle sind wunderhübsch und nett. Klug, kraftvoll und dumm. Uns eint der Wunsch, ein Studierendenmagazin zu machen, das nicht nur dumm und unterhaltsam ist, sondern auch klug und denkanstoßend. Die beiden Ansätze haben wir irgendwie miteinander verzahnt. Was dabei herauskommt, ist wundervoll bunt und hübsch.

jeunesse dorée: Warum habt ihr euch nach einer ranzigen Eckkneipe in Moabit benannt? Kleines redaktionsübergreifendes Alkoholproblem?

ZurQuelle: Die Kombination Alkohol und Problem lehne ich ab. Es gibt sicher Alkoholkranke – da ist die Krankheit aber mehr als ein Problem. Bei Krebs sagt man ja auch nicht „Die hat ein Tumorproblem“. Nach ZurQuelle, einer, wie du sagst, ranzigen Eckkneipe, haben wir uns benannt, weil es schlicht meine Stammkneipe ist. Unser erstes Redaktionstreffen fand dort statt, dort begann die ganze Story rund um die Quelle-Liebe. Als Vorbild haben wir uns die ersten deutschen Demokraten des Paulskirchenparlaments 1848/49 gewählt. Diese traten zusammen und setzten sich mit den Leuten zusammen, mit denen sie die politischen Überzeugungen teilten. Parteien waren zu der Zeit verboten, also benannten sich die Fraktionen nach den Wirtshäusern, in denen sie des Abends berieten, zechten und hurten, wobei ich betone, dass die letzten beiden Punkte historisch nicht verbürgt sind. So finden sich Suff, Freundschaft und Geschichtsnerds in unserer Gründungsgeschichte. Was gibt es Geileres?

jeunesse dorée: Auch so genervt von Unicum und Zeit Campus?

ZurQuelle: Die sollen mal ihr Ding machen, wir machen unseres. Unseres ist besser. Das weiß auch Zeit Campus, die kürzlich eine Praktikumsbewerbung ohne Angabe von Gründen abgelehnt haben. Ich würde sie an der Stelle gerne beschimpfen, fürchte aber, dass ich eines Tages doch wieder angekrochen kommen werde.

jeunesse dorée: In eurer letzten Ausgabe Artikel gab’s einen Artikel über Harry Potter. Ihr habt die Rubrik Schnatz. Warum das alles? In der Kindheit zu viel Harry Potter geguckt?

ZurQuelle: Ich persönlich habe Harry Potter nie geguckt. Die einen sagen: Du Banause! Die anderen sagen: Guck die mal! Und wieder andere, vor allem ich, sage: Ich gucke, was ich gucken will und Kinderfilme gehören nicht dazu. Dem Zaubern bin ich aber genauso verfallen wie die Potter-Nerds. Ich verstehe es aber sehr viel bodenständiger: Wir nennen uns Magazin von und für Zaubernde. Zaubern bedeutet für uns, das Leben zu genießen, dem Studium nicht die höchste Priorität einzuräumen, auch mal einen trinken zu gehen. Jung, interessiert und angetrunken zu sein. Halt einfach, die beste Zeit des Lebens zu haben, in der man immer mal wieder in die Uni muss. Zaubern ist ein Lebensgefühl, vielleicht vergleichbar mit eurem Verständnis von Müßiggang.

jeunesse dorée: Ist es bewusst, dass ihr ein bisschen mehr mit dem großen Pinsel gemalt als die ganzen selbstreferentiellen Studentenmagazine, die immer nur über Hochschulpolitik schreiben?

ZurQuelle: Ja. Auch wir denken aber über ein HoPo-Ressort nach. Aber eben nicht nur als „Berichte aus dem AStA“. Mal sehen, was draus wird. Trotzdem ist uns der große Pinsel eine Herzensangelegenheit. Wir wollen, dass auch unsere alten Ausgaben heute noch gelesen werden können. Und das ist weitgehend der Fall. Auch wenn etwa unser Tinder-Erfahrungsbericht aus der #1 heute wohl nicht mehr so innovativ daherkäme.

jeunesse dorée: Sagt mal – ZurQuelle in 3 Worten?

ZurQuelle: Geil, geil, geil.

jeunesse dorée: Ihr habt mal einen Preis gewonnen – wie wird man Deutschlands bestes Studentenmagazin?

ZurQuelle: Ich würde ja gerne behaupten, harte Arbeit, Blut schweiß und Tränen seien das Mittel der Wahl. Tatsächlich aber geht es um Spaß an der Arbeit, Freundschaften, die dabei entstehen, und einen Mangel an ernstzunehmender Konkurrenz.

jeunesse dorée: Ihr schreibt über einen Tag im Porno, ihr verlost Sexspielzeug im Facebook-Adventskalender – Sex sells?

ZurQuelle: Schon die Aufzählung macht mich ein wenig wuschig. Ich würde es kaufen.

jeunesse dorée: Warum ist da eigentlich immer irgendein Tierchen auf eurem Cover?

ZurQuelle: Weil Sex zu billig ist.

jeunesse dorée: Ganz ehrlich – ihr macht das doch alles nur für den Lebenslauf, oder?

ZurQuelle: Ich kann nicht für alle Menschen sprechen, die bei ZurQuelle am Start sind. Für mich geht es aber tatsächlich um nichts anderes. Wenn jemand von Zeit Campus das lesen sollte: Ab Juni bin ich frei.

 

Bild: Robert Hofmann

Track zum Interview:

 

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Gerrit Seebald

Am liebsten sitzt Gerrit in einem khaki grünen Overall auf einem Pickup und schießt dabei mit einer goldenen Kalaschnikow in die Luft. In seiner Freizeit verkauft er Waffen an afrikanische Warlords, Panzer an Saudi-Arabien und trennt keinen Müll.
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