Diese zauberhafte Verwandlung macht Lust auf Willkommenskultur

Jede Woche widmen wir uns einem müßigen Gedanken. Dieses Mal hat sich unser Autor Dominik an eine besonderes Schmuckstück aus Ovids Metamorphosen erinnert. Die Verwandlung von Philemon und Baucis ist Ende und Anfang einer wunderbaren Geschichte.

Philemon und Baucis haben wenig und geben viel

Zwei Wanderer suchen verzweifelt nach einer Unterkunft in einer fremden Stadt. Statt Gastfreundschaft und Offenheit für das Neue, Andere schlägt Ihnen Ablehnung und Hass entgegen. Kennt man doch irgendwo her. Nur Philemon und Baucis, ein altes Ehepaar mit gerade genug, um selbst über die Runden zu kommen, bewirten die beiden Fremden. Sie können nur eine bescheidene Mahlzeit anbieten und leisten es sich trotzdem, die Neuankömmlinge in ihre ärmlichen Behausung am Stadtrand einzuladen. Für Philemon und Baucis ist es keine Frage des Könnens, sondern des Wollens, Fremde willkommen zu heißen.

Aus Bettlern werden Götter

Als sich später herausstellt, dass es sich bei den Gästen um die beiden griechischen Götter Zeus und Hermes handelt, sind die beiden Eheleute peinlich berührt und entschuldigen sich für die minimalistische Kost. Die Götter aber wissen die Großzügigkeit von Philemon und Baucis zu schätzen, verwandeln die Hütte in einen goldenen Tempel und lassen die Stadt in Phrygien, ein Gebiet in der heutigen Türkei, in Wassermassen versinken.

Philemon und Baucis schlagen zusammen Wurzeln

Das in Liebe vereinte Paar erfährt die wertvollste Belohnung erst am Ende ihres Lebens. Dann erfüllen die Götter nämlich ihren Wunsch, gemeinsam zu sterben und für immer zusammen zu bleiben. Als die letzten Lebensgeister das Paar verlassen, verwandeln Zeus und Hermes die beiden in zwei Bäume. In Ovids Metamorphosen entsteht aus Philemon eine Eiche und aus Baucis eine Linde. So bescheiden der Wunsch, so wertvoll ist dessen Erfüllung.

Bild: Achim über  CC BY-ND 2.0

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